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| Zitat: Ein anatolischer Schwabe an der Spitze der Grünen Er schwäbelt perfekt. Er war der erste gebürtige Türke im Bundestag. Jetzt ist Cem Özdemir, der sich selbst einen „anatolischen Schwaben“ nennt, sogar der erste muslimische Parteichef in Deutschland! Auf ihrem Parteitag in Erfurt wählten die Grünen den Vertreter des Reformerflügels zusammen mit Claudia Roth an die Spitze. Schon schwärmen seine Anhänger von ihm als den „grünen Obama“: „Yes, we cem!“ Der selbstbewusste Schwabe mag den Vergleich überhaupt nicht: „Ich bin nicht der Obama der Grünen, sondern der Cem Özdemir der Grünen!“ Sein Wahlergebnis (79,2 %) schmeichelt ihm dagegen schon: „Das zeigt, welche Unterstützung ich habe, flügelübergreifend.“ Kämpferisch kündigte der neue Grünen-Chef an: „Wir müssen die Regierung stärker in die Manndeckung, von mir aus auch in die Fraudeckung nehmen. Ich wünsche mir, dass wir drankommen, weil wir es besser können. Ich möchte eine Gesellschaft, in der alle mitgenommen werden – egal, welche Herkunft sie haben, ob ihre Vorfahren aus Kasachstan, Anatolien kommen oder ob sie schon gegen die Römer im Teutoburger Wald gekämpft haben!“ Der schlanke, smarte Ober-Grüne trägt Hemd, Sakko – und echte „Blues Brothers“-Koteletten! Multikulti ist Özdemir auch privat: Verheiratet ist er mit einer argentinischen Journalistin. Das Paar hat eine Tochter (3). Dabei war sein Aufstieg zum Grünen-Chef zuletzt auch eine Zitterpartie. Als Reinhard Bütikofer seinen Vorstandssitz frei machte, erging der Ruf an Özdemir. Doch der wollte unbedingt beides: Vorsitz und Mandat (Bundestag). Das gilt bei den baden-württembergischen Grünen als unbotmäßig. Prompt fiel Özdemir bei der Kandidatenaufstellung durch. Den Schwaben focht auch das nicht an. Also beschied er sich mit dem Vorsitz. Der 42-Jährige studierte Pädagoge hat es in der Politik so weit wie kein anderes Gastarbeiterkind gebracht: Er ist der erste deutsche Parteichef mit „Migrationshintergrund“, wie es so schrecklich-schön heißt. Zitat: Cem Özdemir schielt auf Schwarz-Grün Voraussetzung für eine schwarz-grüne Koalition sei aber, dass die Union ihren Atomkurs ändere, sagte Özdemir der „Passauer Neuen Presse“. „Es kann im Einzelfall durchaus sein, dass man grüne Inhalte besser mit Schwarz als mit Rot umsetzen kann“, sagte der Parteichef der Zeitung. Entscheidend sei, „dass die grüne Handschrift erkennbar ist“. Man könne nur sagen, mit wem was nicht gehe: „Wenn die Union an ihrem Atomkurs festhält, wird es mit ihr nicht gehen“, sagte Özdemir. Auf Landesebene sollten jedoch die Verbände entscheiden. Schwarz-Grün in Hamburg zeige, dass es um Inhalte und nicht um ideologische Barrieren gehe. Für das Wahljahr 2009 kündigte Özdemir eine härtere Gangart seiner Partei in der Opposition an. „Wir Grüne wollen noch stärker harte Oppositionspartei sein“, sagte der Politiker. Es gebe genügend „offene Flanken“ in der Bundesregierung, allen voran der Umweltminister. Özdemir war am Wochenende beim Parteirat der Grünen in Erfurt zum ersten türkischstämmigen Bundesvorsitzenden einer deutschen Partei gewählt worden. Er erhielt mit 79,2 Prozent der Delegiertenstimmen eine klare Mehrheit.
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